Mittwoch, 9. August 2017

campact - Mikroplastik im Blut



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Plastik-Flut eindämmen!
Unsere Meere werden zur Müllkippe – Fische und Seevögel sterben mit Plastik im Magen. Endlich will die EU-Kommission gegen die Plastik-Flut vorgehen. Doch bisher sind die Pläne dürftig, und die Kunststoff-Industrie versucht, sie noch weiter abzuspecken. Mit einem europaweiten Appell fordern wir die EU auf, konsequent gegen Plastik vorzugehen.

Liebe Leser,
ein Wal strandet in Norwegen, er ist vollkommen abgemagert. In seinem Bauch: 30 Plastiktüten.[1] An Plastik verhungert – so ergeht es auch jeden Tag unzähligen Seevögeln, Schildkröten und Fischen. Sogar in winzig kleinen Partikeln ist Plastik eine Gefahr für das gesamte Ökosystem: Mikroplastik bleibt für Jahrhunderte in der Natur, Tiere nehmen es auf – so landet es auch auf unserem Teller. Selbst im menschlichen Blut ist Plastik nachweisbar.[2]

Europa ist weltweit der zweitgrößte Plastik-Produzent – bis jetzt. In den kommenden Wochen entwirft die EU-Kommission ihre Plastik-Strategie.[3] Das könnte ein großer Wurf werden oder eine herbe Enttäuschung. Die EU will das Müllproblem bekämpfen. Doch hinter den Kulissen kämpft die Hersteller-Lobby für ihre Interessen – zum Beispiel gegen ein Verbot von Einweg-Plastik. Es liegt an uns, ob sie damit durchkommt.

TTIP, CETA, Glyphosat – die EU-Kommission hat nicht ohne Grund ein ziemlich ramponiertes Image. Dieses würde sie gerne aufpolieren. Darin liegt eine Chance: Wir können der Kommission jetzt zeigen, dass die Plastik-Frage das Zeug zum Mega-Thema hat. Deswegen starten wir gemeinsam mit unseren Partnern als erstes einen europaweiten Appell. So zeigen wir: Hunderttausende fordern eine starke Strategie gegen Plastik.

In wenigen Wochen berät sich die EU-Kommission mit Herstellern und Umweltverbänden in Brüssel. Diese Zeit nutzen wir: In einem zweiten Schritt machen wir unseren Protest auf Großplakaten in der ganzen Stadt sichtbar – am Flughafen, an der Bahnstation im Europaviertel und vor der EU-Kommission. Die Flächen sind begehrt: Wir müssen sie so schnell wie möglich buchen. Die Plakate wirken nur, wenn tausende Menschen unterzeichnen. Bitte unterstützen Sie die Aktion und unterschreiben Sie jetzt unseren Appell!
Eingeschweißte Gurken, Einwegflaschen, Mikroplastik in der Sonnencreme – Kunststoffe begegnen uns praktisch überall in unserem Alltag. Seit den fünfziger Jahren wurden weltweit über acht Milliarden Tonnen Plastik produziert. Nur ein kleiner Teil davon wurde recycelt, fast 80 Prozent befinden sich jetzt als Müll in der Umwelt oder auf Deponien.[4]

Selbst die verstecktesten Winkel der Erde, wie die Arktis, die Tiefsee oder unbewohnte Inseln, sind mit Plastikmüll übersät.[5] Plastik verrottet nicht – es zerfällt allenfalls zu Mikroplastik. Doch auch dann bleibt es gefährlich: Die winzigen Stückchen werden von Plankton aufgenommen[6], von Fischen gefressen und landen somit in unserer Nahrungskette. Eine Bedrohung für unsere Gesundheit: Denn viele Plastiksorten tragen giftige Zusatzstoffe mit sich.[7]

Jetzt liegt es bei der EU, effektive Lösungen gegen Plastikmüll zu beschließen. Dabei sind drei Punkte zentral:[8]
  • Die EU muss gegen den Verpackungswahnsinn vorgehen, damit der Verbrauch insgesamt zurückgeht. Es müssen Gesetze zur Reduktion von Einweg-Plastik und Mikroplastik her.
  • Plastikprodukte müssen frei von giftigen Zusatzstoffen, langlebig und recycelbar sein.
  • Es muss deutlich mehr Plastik gesammelt und recycelt werden, damit es nicht in der Umwelt freigesetzt wird. 
Die EU kann einen riesigen Beitrag für eine Welt ohne Plastikverschmutzung leisten. Doch dafür muss sie jetzt konsequent bleiben und darf sich nicht von der Plastik-Lobby weich machen lassen. Nicht nur das Pariser Klimaschutzabkommen hat gezeigt: Wenn Europa sich nicht rührt, passiert nichts. Jetzt muss die EU eine effektive Plastik-Strategie beschließen – dann werden ihr die anderen Staaten folgen. Bitte unterstützen Sie unseren Appell und unterschreiben Sie jetzt!
Herzliche Grüße
Dr. Gerald Neubauer, Campaigner
PS: Pro Minute werden weltweit rund eine Million Plastikflaschen produziert.[9] Jede dieser Flaschen kann zur Todesfalle für Fische oder Vögel werden, wenn sie ins Meer gelangt. Bitte helfen Sie uns, den Tod von zehntausenden Tieren zu verhindern!
[1] „Wal hatte 30 Plastiktüten im Magen“, Spiegel Online, 2. Februar 2017
[2] „Bisphenol A, In unserem Blut fließt Plastik“, Wirtschaftswoche, 30. Oktober 2013
[3] „Roadmap, Strategy on Plastics in a Circular Economy“, Europäische Kommission, 26. Januar 2017
[4] „Globale Statistik: Plastik-Welt“, Spiegel Online, 19. Juni 2017 
[5] „Die Tiefsee ist ein Endlager“, Zeit Online, 18. Juli 2017
[6] „Wer Fisch isst, konsumiert Mikroplastik mit“, Die Welt, 1. Juni 2015
[7] „Bisphenol A, In unserem Blut fließt Plastik“, Wirtschaftswoche, 30. Oktober 2013
[8] „Open Letter: Rethink Plastic’s summer challenge for the commission“, Rethink Plastic Alliance, 10. Juni 2017 
[9] „A million bottles a minute: world’s plastic binge ‘as dangerous as climate change’“, Guardian, 28. Juni 2017
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